Van der Poel siegt auf den Champs-Élysées nach dramatischer Schlussetappe

Die 113. Tour de France fand ihren Höhepunkt in einem spannenden Finale auf den Champs-Élysées, bei dem Mathieu van der Poel den Sieg errang. Sein Teamkollege Jasper Philipsen zeigte dabei eine bemerkenswerte Geste, indem er kurz vor dem Ziel das Treten einstellte und van der Poel den Vortritt ließ.
Philipsen, der mit hoher Geschwindigkeit von hinten herannahte, hob zehn Meter vor dem Ziel den rechten Arm, um den Sieg seines Teamkollegen zu feiern. Van der Poel überquerte die Ziellinie mit knapp einer Radlänge Vorsprung. Philipsen erklärte, dass van der Poel in der Vergangenheit viel für ihn getan habe und ein unglaublicher Teamkollege sowie Freund sei. Er lobte van der Poels uneigennütziges Verhalten und seine Stärke, anderen Teamkollegen zu Siegen zu verhelfen.
Der Sieg auf den Champs-Élysées war für van der Poel von großer Bedeutung. Er gestand in einem Interview, dass dies eines der Rennen war, die er unbedingt in seinem Leben gewinnen wollte. Er hatte nach eigenen Angaben ein ganzes Jahr lang an diesen Tag gedacht, insbesondere nachdem er im Vorjahr krank war und das Rennen im Fernsehen verfolgen musste.
Spannendes Finale am Montmartre
Das Finale der Etappe entwickelte sich zu einem Drama. Auf der letzten von drei Runden über den Montmartre attackierte der Weltmeister von 2023, und lediglich Tadej Pogacar konnte ihm folgen. Die beiden Fahrer erarbeiteten sich einen Vorsprung von zwischenzeitlich knapp 20 Sekunden vor dem Verfolgerfeld.
Auf den letzten zehn Kilometern schmolz der Vorsprung aufgrund der Nachführarbeit des Decathlon-Teams in der Verfolgergruppe auf fünf Sekunden. Etwa 500 Meter vor dem Ziel drehte sich van der Poel noch einmal um und mobilisierte alle Kräfte, als er sah, wie nah die Verfolger gekommen waren. Er ließ Pogacar hinter sich, der erkannte, dass sein Versuch, als erster Mann in Gelb nach Bernhard Hinault 1982 in Paris zu gewinnen, aussichtslos war.
Die Verfolger, angeführt von Mads Pedersen, kamen immer näher. Als Pedersen seinen Sprint begann, löste sich Philipsen aus dessen Windschatten. Philipsen war schneller als sein Teamkollege, stoppte aber seinen Antritt, um van der Poels Sieg zu ermöglichen.
Van der Poel erinnerte sich an die letzten Meter des Rennens und betonte, wie hart es war, mit dem besten Fahrer der Welt vorne zu sein. Er zollte Pogacar großen Respekt und beschrieb, wie er im letzten Moment alles gab, um den Sieg zu sichern. Die Organisatoren hatten sich einen solchen Rennverlauf erhofft, da die besten Fahrer der Tour de France an den drei Montmartre-Anstiegen wie erwartet attackierten und die Flachlandsprinter unter Druck setzten.
Historischer Erfolg und Teamgeist
Völlig erschöpft sank van der Poel kurz hinter der Ziellinie vom Rad und lag minutenlang auf dem Boden, bevor er ein erstes Siegerinterview geben konnte. Er hob hervor, dass das Team nie aufgebe und die Plätze eins und zwei auf den Champs-Élysées ein sehr gutes Ergebnis seien, das einen zufriedenen Abschluss dieser Tour darstelle.
Mit diesem Sieg auf den Champs-Élysées erreichte van der Poel etwas, das weder seinem Großvater Raimond Poulidor noch seinem Vater Adrie van der Poel zuvor gelungen war. Sein Vater hatte 1982 in Paris immerhin den zweiten Platz hinter Bernard Hinault belegt. Van der Poel Senior zeigte sich besonders erfreut über den Sieg seines Sohnes, der das Gelbe Trikot besiegt hatte.
Philipsen betonte die Bedeutung dieses Erfolgs für das Team und bezeichnete ihn als Meilenstein. Er jubelte über den Doppelsieg in Paris und hob hervor, dass van der Poel in der Vergangenheit viel für ihn getan habe und ein unglaublicher Teamkollege und Freund sei. Der geschlagene Pogacar wartet weiterhin auf seinen ersten Sieg in Paris, zeigte sich aber sprachlos ob der besonderen Stimmung und des Fan-Andrangs. Er beschrieb den Tag als großartig und die Atmosphäre als unglaublich.
Die neue Streckenführung, die seit dem vergangenen Jahr die Tour de France nicht mehr in einem klassischen Sprint auf den Champs-Élysées enden lässt, sondern über den Montmartre führt, stieß nicht bei allen auf Gegenliebe. Während Traditionalisten wie Jens Voigt die Änderung kritisierten, begrüßte Rolf Aldag die neue Streckenführung, da sie eine Balance zwischen Sprintern und attackierenden Fahrern schaffe. Sollte diese Streckenführung beibehalten werden, könnten Klassiker-Spezialisten wie van der Poel weiterhin favorisiert sein.
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Source: radsport-news.com