Alpe d’Huez feiert riesige Open-Air-Party bei der Tour de France

„Gigantisch“: Riesige Open-Air-Party in Alpe d'Huez

Begeisterung in Alpe d’Huez

Die 19. Etappe der Tour de France in Alpe d’Huez verwandelte sich in eine riesige Open-Air-Party, die von über einer halben Million Radsport-Fans besucht wurde. Die legendären 21 Serpentinen des Schlussanstiegs, bekannt als Radsport-Mekka, boten eine außergewöhnliche Kulisse für die Athleten. Radprofi Tadej Pogacar beschrieb die Atmosphäre als „verrückt“, während John Degenkolb sie als „gigantisch“ empfand.

Als die führenden Fahrer den Anstieg bewältigten, bildeten die Zuschauermassen ein dichtes Spalier, das nur eine schmale Gasse für die Sportler ließ. Der deutsche Radprofi Michel Heßmann bezeichnete das Erlebnis in der ARD als „Abenteuer“ und „unfassbar“. Tausende Fans hatten die Nacht zuvor in Zelten und Wohnwagen entlang der Strecke verbracht, was zu einer Stimmung führte, die teilweise mit der im Megapark auf Mallorca verglichen wurde.

Pogacars Dominanz und Teamherausforderungen

Tadej Pogacar sicherte sich seinen fünften Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France, seinen ersten in einer schwarzen Hose, obwohl er das Gelbe Trikot trägt. Er gewann die 19. Etappe von Gap nach Alpe d’Huez, indem er zwölf Kilometer vor dem Ziel aus einer Verfolgergruppe antrat und alle vor ihm liegenden Fahrer überholte. Mit diesem Sieg baute der viermalige Tour-Gewinner seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 7:11 Minuten vor Remco Evenepoel aus.

Pogacar äußerte sich nach dem Rennen: „Es ist cool, hier zu gewinnen. Eine verrückte Atmosphäre den Berg hoch.“ Er erklärte, dass er für seine Teamkollegen gefahren sei und gute Beine gehabt habe. Er bemerkte, dass die anderen Fahrer in der Gruppe miteinander spielten, was er zu seinem Vorteil nutzte. Trotz seines Erfolges blieb Pogacar bodenständig und betonte, dass der Samstag die härteste Etappe der Tour sei.

Der Slowene stellte zudem einen neuen Rekord für den Anstieg auf, indem er die 21 Kehren in 35:26 Minuten bewältigte. Damit war er 1:24 Minuten schneller als Marco Pantani im Jahr 1995. Pogacar zeigte sich glücklich über diesen Rekord, auch wenn er sein Bergtrikot an den Ecuadorianer Richard Carapaz abgeben musste.

Im Team UAE Emirates kursiert ein Magen-Darm-Virus, der bereits zum Ausscheiden von Brandon McNulty führte. Auch andere Fahrer wie Adam Yates und Tim Wellens fühlten sich unwohl. Spekulationen über Pogacars schwarze Hose, die er trug, um mögliche „Unglücke“ aufgrund des Virus zu verbergen, wurden von seinem Helfer Nils Politt dementiert. Teamchef Matxin Fernández lobte Pogacar als „unglaublichen Jungen, Anführer und Champion“ und hob die Leistung des Teams hervor, trotz der Krankheiten.

Pogacar selbst zeigte sich optimistisch und meinte, es sei wahrscheinlicher, sich bei einem Fan eine Krankheit einzufangen, als im Team. Dennoch ergreift der Rennstall Schutzmaßnahmen: „Die, die sich unwohl fühlen, essen auf dem Zimmer. Dazu Hände desinfizieren und Masken auf“, erklärte Nils Politt. Trotz des Virus ging es Adam Yates am Freitag besser, und er konnte Pogacar auf den letzten Kilometern unterstützen. Yates betonte jedoch, dass das Team sehr leide und er selbst nicht bei 100 Prozent sei.

Historische Bedeutung und Ausblick

Die „Dutch Corner“ an Kurve sieben ist traditionell ein Treffpunkt für niederländische Fans. Michel Heßmann bemerkte jedoch, dass dieses Mal die Dänen besonders laut und ausgelassen feierten. John Degenkolb berichtete von Gänsehaut nach dem Zieleinlauf und bezeichnete die Atmosphäre als unvergleichlich. Er fuhr wahrscheinlich zum letzten Mal in seiner Karriere den Anstieg hoch, plant aber, wieder dabei zu sein, wenn die Tour erneut in Alpe d’Huez Station macht. Mit 37 Jahren nähert sich seine Karriere dem Ende.

Auch viele deutsche Fans waren an der Strecke präsent, einige mit „Ulle“-Pappschildern, die an vergangene Zeiten erinnerten. Trotz der langen Geschichte der Tour de France in Alpe d’Huez, die 74 Jahre nach der ersten Bergankunft dort noch keinen deutschen Sieger gesehen hat, bleibt die Begeisterung ungebrochen.

Tadej Pogacar steht mit seinem 26. Tour-Etappensieg kurz vor seinem fünften Tour-Sieg. In der Rekordliste liegen nur noch Mark Cavendish sowie die fünffachen Toursieger Eddy Merckx und Bernard Hinault vor ihm. Die Tour geht am Samstag erneut nach Alpe d’Huez, allerdings auf einer anderen, anspruchsvolleren Route, bevor der Sieger der Tour am Abend feststehen soll und die Rundfahrt am Sonntag in Paris endet.

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Source: sueddeutsche.de

Julia Neumann ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.